Lyrik-Lexikon


Alexandriner

Ein zwölfsilbiger (bei weiblicher Endung dreizehnsilbiger Vers) mit betonter 6. und 12. Silbe. Er wurde nach dem altfranzösischen Roman d'Alexandre benannt, welcher um 1180 lebte.
In Deutschland besteht der Alexandriner aus jambischen, oft paarweise gereimten sechsfüßigen Versen.

Alliteration (auch Stabreim)
Durch durch Gleichheit der Anfangskonsonanten entsteht ein Stabreim. Er ist die älteste Form der Bindung deutscher Verse (Hildebrandslied), welche im 9. Jahrhundert aus der Dichtung verschwand. Später verschwand der Stabreim auch aus der englischen und nordischen Dichtung.

Alkäische Strophe
Die Alkäische Strophe ist nach dem griechischen Dichter Alkaios benannt. Sie ist ein aus einer vierzeiligen, aus zwei 11-silbigen, einer 9-silbigen und einer 10-silbigen Verszeile bestehende Odenstrophe, die von Klopstock, Horaz und auch von Friedrich Hölderlin nachgebildet wurde.

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.
(Hölderlin: Abendphantasie, 1. Strophe)

Als hätten sie noch immer nicht aufgesetzt:
Sie pendeln leise, hängen in Raum und Zeit
wie abgestürzte Engel, ihre
Schwingen in Schonhaltung eingefaltet.
(Marion Poschmann: Grund zu Schafen)

Amphibrachys (griech., beidseits kurz)
Einen antiker Versfuß aus drei Silben, bei dem zwei leichte Silben eine schwere Silbe umschließen. Dieser schon in der Antike selten verwendete Versfuß kommt in deutschen Versen besonders dann vor, wenn diese Verse mit Auftakt beginnen.

Anapher
Die Anapher, griechisch anaphorá bezeichnet als rhetorische (Wort-)Figur die einmalige oder mehrfache Wiederholung eines Wortes (bzw. syntaktisch beherrschender Wörter) oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinander folgender Verse oder Strophen.
"Scipio hat Numantia vernichtet, Scipio [hat] Karthago zerstört, Scipo [hat] Frieden gebracht[...]"
(Cicero)

Anakoluth (Gedankensprung)
Eine semantische Satzkonstruktion wird nicht richtig fortgesetzt, weil die Gedanken mitten im Satz eine andere Richtung nehmen. (Vom griechisch: an = ohne; akólouthon = Folgerichtigkeit, deutsch auch Satzbruch genannt.)
Ein Anakoluth kennzeichnet den mündlichen Stil der Alltagssprache. Im schriftlichen Stil gilt er als fehlerhaft oder als charakterologischer Ausdruck.
Allerdings wird ein Anakoluth häufig als Stilmittel eingesetzt. Dort verleiht es der wiedergegebenen Rede Lebhaftigkeit und zeigt z. B. die aufgeregte Stimmung des Sprechers an.
"Korf erfindet eine Mittagszeitung, welche, wenn man sie gelesen hat, ist man satt." (Christian Morgenstern)

Anapäst (Plural: Anapäste)
Ein dreiteilige, antiker Versfuß, der aus zwei (unbetonten) Senkungen und einer (betonten) Hebung besteht. Das Wort stammt von griechisch anapaistos (Anapäst); dieses leitet sich ab von anapaiein = „zurückschlagen/-prallen".
In der antiken Dichtung für Marsch und Schlachtenlieder genutzt, da die Silbenabfolge (kurz – kurz – lang) einen vorwärtsdrängenden Charakter verlieh.

Assonanz (unreiner Reim - Halbreim)
Ein unvollständiger Reim, bei dem nur die Vokale übereinstimmen, z. B. in Schwindsucht und Bindung, Laterne und Kapelle. Ursprünglich in der spanischen und altfranzösischen Dichtung sehr beliebt, er kommt aber auch in der Deutschen Romantik vor. In der Moderne wird er häufig in der Musik (Rap) benutzt.

Bacchius
(auch Bakcheios)
Ein dreisilbiger Versfuß, der aus einer kurzen und zwei langen Silben besteht.
Der Bacchische Vers, der besonders in den Hymnen zu Bacchus benutzt wurde und daher seinen Namen hat, kommt meist in akatalektischen Tetrametern vor, die mit Dimetern und anderen kürzeren Versen untermischt sind und dann einen jambischen oder anapästischen Schlußvers haben.

Ballade
Das Wort Ballade stammt ursprünglich aus dem früher in Südfrankreich gesprochenen Provenzalischen bzw. Okzitanischen, wo es als "ballada" ein Tanzlied bezeichnete.
Heute ist die Ballade ist ein erzählendes Gedicht wenn sie nicht singend vorgetragen wird. Meist ist es düster gestimmt und sprunghaft. Oft wird die schlichte, klare und leicht lesbare Dialogform gewählt. Hier stehen dem Balladendichter alle drei Formen der Poesie (Epik, Lyrik und Dramatik) offen.

Bild
In der Literaturkritik fasst man unter dem Begriff Bild alle bildlichen und bildhaften Ausdrucksweisen. In der Rhetorik ein anschaulicher Vergleich (Metapher).

Binnenreim (Versreim)
Hier wird das Reimwort am Versende im Inneren der Verszeile wieder aufgenommen.

Blankvers
Ein reimloser fünfhebiger Jambus oder jambischer Pentameter, welcher im männlichen Vers aus zehn, im weiblichen aus elf Silben besteht. Das deutsche Wort ist eine Übernahme aus dem englischen blank verse. Das Adjektiv blank heißt eigentlich leer oder unverziert und bedeutet reimlos.

Chiffre
Ein Begriff oder eine Phrase, der oder die wiederholt in bestimmten Zusammenhängen auftaucht. Zum Beispiel verwendet Trakl "blau" zusammen mit "Wild", "Steppe", während für G. Benn "blau" "das Südwort schlechthin" ist.

Daktylus (griech. daktylos = Finger; Plural: Daktylen)
In der Verslehre ein antikenr Versfuß aus einer langen (betonten) und zwei kurzen (unbetonten) Silben, der vor allem im Hexameter Verwendung findet.
"Hab ich den Markt und die Straßen doch ..."
Die Zahl der Senkungen ist variabel.

Distichon
Eine Strophe die aus zwei verschiedenen Versen besteht ist ein Distichon. Meist besteht das Zeilenpaar aus einem Hexameter und einem Pentameter.
Distichen fanden in der griechischen und römischen Antike und bei den Humanisten der frühen Neuzeit Verwendung als zweizeilige Epigramme oder als Bauelement der Elegie. In diesem Fall spricht man auch von elegischen Distichen.

Nach diesem Vorbild richtete sich auch die Verwendung des Distichons in der deutschen Literatur: Goethe und Schiller z.B. griffen diese Form für ihre epigrammatischen Xenien auf. Merkvers zum Distichon von Schiller:

"Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule.
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab."

Echoreim
Der Echoreim unterscheidet sich vom Schlagreim darin, dass die nicht am jeweiligen Zeilenende befindlichen Reime durch ein Wort oder einen Zeilenumbruch getrennt sind. Echoreime können, vor allem in humorigen Reimgedichten, eine gute Ergänzung zum Endreim sein:
Gelenke längst morsch fängt er forsch an zu suchen
schon hängt wie ein Elch vor dem Kelch bei den Buchen
und lallt durch den Wald wie ein Geistesgeschwächter
bis bald schon es knallt, daß es schallt bis zum Wächter

Ellipse (Parataxe)
(griechisch élleipsis - das Fehlen, die Aussparung, Auslassung insbesondere inmitten von etwas) Als Ellipse bezeichnet man ein sprachliches Stilmittel, bei dem durch die Auslassung von Wörtern oder Satzteilen grammatikalisch unvollständige Sätze gebildet werden. Diese werden in der Sprachwissenschaft als Satzellipsen bezeichnet. Bisweilen erinnert das Ergebnis an Telegrammstil. Durch diesen Kunstgriff in der Literatur wird versucht, eine eindringliche Wirkung zu erzielen und Wichtiges hervorzuheben. Gegebenenfalls kann man eine Ellipse mit Auslassungspunkten oder durch einen Gedankenstrich (–) kennzeichnen.
Ein Beispiel ist der Ausruf: "Ein kalter Tag!" Die Ellipse ist ein Spezialfall der Parataxe.

Enjambement (Zeilensprung)
Ein Satz welcher über das Versende hinaus geht.
Mit dem Satz wird auch der Sinnzusammenhang über die Versgrenze weitergeführt, die Monotonie des Versmaßes, der sonst im Zeilenstil Satz und Vers vereint, wird dadurch durchbrochen.

Epos
(griech. „das Gesagte, der Vers“, auch „die Erzählung, das Gedicht“; Pl.: Epen; veraltet: Epopöe (fem.))
Eine der Hauptformen der erzählenden Literatur (der Epik). Epen berichten in gebundener Sprache und einer gewissen Breite und Ausführlichkeit von einem bedeutenden, als historisch real verstandenen Ereignis. Heute wird darunter meist die lyrische Verherrlichung eines Tatbestandes oder einer Person verstanden (Heldenepos).
Die Verfasser können anonym bleiben. Im römischen Reich ein Medium zur nationalen Selbstdarstellung.

Epanalepse
Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang des Satzes.

Epipher
Wiederholung des gleichen Wortes am Ende von Wortgruppen, Sätzen oder Perioden.

Euphemismus

Etwas Schreckliches oder Feindliches wird gegenteilig bezeichnet.
Der Euphemismus (altgriechisch eupheimi „schönreden, beschönigen“) bezeichnet Worte oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigen, verhüllend oder verschleiernd darstellen. Das Gegenteil ist die Pejoration oder abwertende Bezeichnung.
"Entsorgungspark statt Mülldeponie“

Gedicht
Ein Gedicht ist ein lyrisches sprachliches Kunstwerk, das meist in Strophen- und Versform vorliegt. Oft wird der Begriff fälschlicherweise als Gattungsbegriff synonym zu Poesie verwendet.

Ghasel
Das Ghasel oder die Ghasele (auch Gasel; von arab. ghasala = (Garn) spinnen; flirten, umwerben) ist ein lyrisches Gedicht aus dem Kulturkreis der Inder, Perser und Türken. Ein Ghasel besteht aus einer Folge von zweizeiligen Strophen, deren zweiter Vers immer den in der ersten Strophe angewandten Reim hat („wiederkehrender“ oder „rührender“ Reim). (Reimschema: a a - b a - c a - d a - e a - f a)

Haiku (jap. lustiger Vers)
Ein dreizeiliges Silbengedicht mit dem Silbenschema von sieben und fünf traditionellen japanischen Lautsilben (5-7-5). Die Haiku entstammen der der japanischen Lyriktradition und sind inhaltlich beschränkt. Vorläufer des Haiku waren das Tanka (5-7-5 und 7-7 Silben) und das Renga (eine Kette von Tanka).

Der erste große Haiku-Dichter war Matsuo Basho (1644-1694), dessen Frosch-Haiku wohl das meistzitierte Haiku der Welt ist:
furu ike ya - Der alte Weiher
kawazu tobikomu - Ein Frosch springt hinein
mizu no oto - Das Geräusch des Wassers

Hebungen (Arsis)
Ein Wort setzt sich aus aus betonten und unbetonten Silben zusammen. Die betonten Silben heißen im Vers Hebung (Arsis). Man spricht auch allgemein von "Hebung der Stimme". In den Wörtern Anhebung Lyrik sind jeweils die fettgedruckten Silben betont. In Versen steht das Versmaß manchmal der natürlichen Sprechweise entgegen. Das Gegenteil der Hebung (Arsis) ist die Senkung (Thesis). Goethe: "Es
irrt der Mensch, solang er strebt."

Hexameter
(griechisch sächlich; ausgesprochen als hexámetron, Betonung auf dem a)
Der Hexameter (das klassische Versmaß der epischen Dichtung) als epischer Vers besteht aus sechs Versfüßen, zumeist Daktylen, wobei der letzte Versfuß um eine Silbe gekürzt ist.

Idyll
Ein Idyll ist ein kleines episches oder dialogisches Gedicht, welches die ländliche Einfachheit lobpreist. Das Wort stammt vom Griechischen eidyllion und bedeutet ursprünglich Bildchen.
Er geht zurück auf Werke des antiken griechischen Dichters Theokrit "Idyllen", die in Hirtengedichten (Bukolik, Pastoralen) das ländliche Leben zu ihrem Hauptgegenstand machen.

Ionikus
(griech. ionikos, ionisches Versmaß)
Ein antiker Versfuß aus zwei langen und zwei kurzen Silben. Es werden zwei Formen unterschieden, großer Ionikus (Ionicus a maiore) und kleiner Ionikus (Ionicus a minore). Beim großen Ionikus folgen auf zwei lange Silben zwei kurze Silben und beim kleinen Ionikus folgen auf zwei kurze Silben zwei lange Silben.

Jambus
Es ist ein steigender Versfuß mit einer Senkung. Als Jambus (griech. iambos) bezeichnet einen antiken Versfuß, in welchem auf eine "leichte" eine "schwere" Silbe folgt. Im Deutschen wie in anderen modernen Sprachen zeigt der Iambus das Schema: unbetont - betont. Beispiel einer vierhebigen Iamben-Zeile: „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (Goethe).

Kadenz
Als eine Kadenz im Gedicht mit Reimschema bezeichnet das Verfahren der Feststellung, wie Reimwörter im Gedicht betont werden.
Hierbei ist es wichtig wie die Stimme beim Lesen erhoben oder gesenkt wird. Wenn das Wort betont wird bezeichnet man dies als männliche Kadenz. Wenn man hingegen die Stimme senkt und das Wort bleibt "weniger" betont, spricht man von einer weiblichen Kadenz.

Katachrese (Bildbruch)
(griechisch κατάχρηση, katáchrissi - der Missbrauch, die Unterschlagung, Veruntreuung)
Damit bezeichnet man die Verwendung eines unstimmigen, fehlerhaften oder fremden Ausdrucks. Eine zuweilen widersprüchliche Verbindung mehrerer sprachlicher Bilder in einer Texteinheit.
Beispiel:
"Das setzt dem Fass die Krone auf!
Das ist aber nicht so ganz das Wahre vom Ei."

Klapphornvers
Die Klapphornverse sind eine in Deutschland entstandene humoristische Gedichtform mit vier Zeilen. Es besteht eine Ähnlichkeit zum Limerick.

"Zwei Knaben stiegen auf einen Baum,
Sie wollten Äpfel runterhaun;
Am Gipfel drobn wurd´s ihnen klar,
Dass das a Fahnenstange war."

Die Klapphornverse wurden oft mündlich weitergegeben und vorgetragen.
(Kennzeichen: Vier Verse, Reimschema meist: aabb, im ersten Vers werden die beiden handelnden Personen eingeführt, in den folgenden wird ihre Handlung oder ihr Wesen beschrieben. Dabei entsteht eine groteske oder skurrile Komik.)

Knittelverse
Paarweise reimende, vierhebige Verse heißen Knittelverse. Die Senkungen sind unregelmäßig (freier Knittelvers), einsilbig beim strengen Knittelvers.
(Ein deutsches Versmaß des 15. bis frühen 17. Jahrhunderts (Hans Sachs), das in aller nicht gesungenen Dichtung, also in Lyrik, Epik und Dramatik gleichermaßen Verwendung fand, und heißt übersetzt nichts anderes als "Reimvers" (knittel heißt im Frühneuhochdeutschen 'Reim'). Durch seine vermeintliche Unregelmäßigkeit wurde er bisweilen auch abschätzig "Knüttelvers" genannt (nach knüttel für 'Knüppel, Keule').)

Kretikus
(griech. kretikos)
In der Verslehre ein antikenr Versfuß aus drei Silben, bei dem eine kurze Silbe von zwei langen Silben eingeschlossen wird.

Langvers (Langzeile)
Ein Vers, der aus zwei verschiedenwertigen Kurzzeilen (An- und Abvers) besteht. Der Langvers ist die rhythmische Einheit der germanischen Stabreimdichtung; später auch in Endreim-Dichtungen, z. B. in der sog. „Nibelungen-Strophe“.

Lautmalerei (Onomatopoese, Onomatopoeia(en) oder auch Onomatopöie)
Die sprachliche Nachbildung von Naturlauten durch einzelne Wörter sowie durch Satzfragmente, die durch ihre Rhythmus- und Sprachstruktur lautmalerisch wirken.
Die Vorherrschaft der Vokale "A", "O" und "U" erzeugt im Deutschen oft eine "düstere" Stimmung, während die Vokale "E" und "I" oft eine helle freundliche Stimmung hervorrufen. Zum wesentlichen Stilmittel wurde die Onomatopoese in Comics. Oft wurde ein Verb (z.B. knallen) auf seinen Verbstamm gekürzt (KNALL!).

Lehrgedicht
Auf angenehme und unterhaltende Weise will dieses Gedicht belehren, und ist dabei an keine bestimmte poetische Form gebunden.
Das Lehrgedicht ist an sich eine Gattung der griechisch-römischen Literatur, die aber vom 15. bis 18. Jahrhundert (im Zuge der Rückbesinnung auf die Antike) eine Renaissance erlebt. Der überwiegende Teil der Lehrgedichte wurde (nach den Anfängen der Lehrdichtung in Griechenland) in lateinischer Sprache abgefasst (wissenschaftliche Bereiche wurden poetisch vorgetragen), es gibt auch volkssprachliche Lehrgedichte.

Leitmotiv

Wiederkehredes Symbol an bedeutsamer Stelle (z. B. Verfall der Familie Buddenbrook im gleichnamigen Roman von Thomas Mann).

Limerick
Ein Limerick ist ein einstrophiges Gedicht mit fünf Verse in der Reimfolge AABBA , wobei gemäß Edward Lear sich jeder A-Vers aus drei Anapästen und jeder B-Vers aus zwei Anapästen zusammen setzen sollte.
In den drei a-Zeilen folgen je drei Amphibracheis auf einander (dadida = leicht - schwer - leicht), in den beiden b-Zeilen je zwei Anapäste (dadadi = leicht - leicht - schwer).

Litotes (doppelte Verneinung)
Etwas Positives wird durch die Verneinung des Gegenteils ausgedrückt.
("Was nicht heißen soll, er habe vollkommen unrecht")
Wie jedes rhetorische Mittel nur im Kontext zu betrachten, d.h. nicht jedes Vorkommen einer Verneinung ("nicht übel", "nicht gut" für "äußerst schlecht") ist gleich eine Litotes!

Lyrik
Als Lyrik (griechisch - die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung) bezeichnet man die dritte poetische Gattung neben der Epik und der Dramatik, die schon Aristoteles in seiner "Poetik" unterschied. Der Ordnungsbegriff 'Lyrik' wird erst seit dem 18. Jahrhundert als Gattungsbezeichnung verwendet. Der Begriff ist relativ unbestimmt und wird seit dem 19. Jahrhundert oft synonym mit dem Wort 'Poesie' (griechisch - die Dichtung) verwendet.

Metapher
Die Metapher ist ein Vergleich ohne Vergleichswörter wie "als" oder "wie".
Eine wichtige uneigentliche Sprachform (auch Vergleich, z. B. Das Haupt der Familie).

Metonymie (pars pro toto)
Hier steht steht das Besondere für das Allgemeine, z. B. "weißes Haar" anstatt Alter.
"Rohstoff steht für das daraus Erzeugte (das Eisen für das Schwert)"

Metrik
Die Verslehre oder Metrik ist die Lehre vom Versmaß oder dem Metrum in der Literatur. Sie erklärt den sprecherischen Aufbau von Versen (Dichter verwenden meistens immer das gleiche Metrum in einem Vers).

Metrum (Versfuß, Versmaß)
Der Versfuß (auch: Metrum) ist ein antikes Stilmittel der Dichtung. Ursprünglich wurden kurze und lange Silben nach einem bestimmten Schema aneinandergereiht (eben der Metrik), im Deutschen wird die unterschiedliche Betonung der Silben eingesetzt.
Dichter unterscheiden vier wichtige Metren, die beim Hörer bestimmte Stimmungen verstärken können.

Weiterhin gibt es:
Amphibrachys - kurze,lange,kurze Silbe
Amphimacer - lange, kurze, lange Silbe - auch Kretikus?
Antispast - kurz, lang, lang, kurz (entspricht Jambus plus Trochäus)
Dochmius - kurz, lang, lang, kurz, lang
Adonius - lang, kurz, kurz, lang, kurz
Ionikus - lang, lang, kurz, kurz (großer Ionikus) oder kurz, kurz, lang, lang (kleiner Ionikus)
Kretikus - lang, kurz, lang
Prokeleusmatikos - kurz, kurz, kurz, kurz
Tribrachys - kurz, kurz, kurz
Spondeus - lang, lang (Im Deutschen fast nicht rekonstruierbarer Versfuß aus der antiken Dichtung)

Minnesang
Sie schriftlich überlieferte, hoch ritualisierte Form der gesungenen Liebeslyrik, die der westeuropäische Adel im Mittelalter pflegte (kunstvoll und streng).
Die Liedstrophe ist dreigeteilt; zwei gleich gebauten Stollen steht ein dritter abweichender Teil, der Abgesang, gegenüber.

Nibelungenvers
Eine Strophe mit vier Langversen, welche sich sich paarweise reimen.

Oxymoron
(griechisch: oxys: scharf(sinnig), moros: dumm)
Verbindung zweier sich ausschließender Vorstellungen wie die "tosende Stille" oder der"Liegesitz". Häufig als bildhafter Vergleich zu finden.

Parallelismus
Wiederholung eines Satzes oder einer Phrase in der antiken Poesie und der modernen Dichtung.

Bibel, (Sirach 5,15)
Denn Reden bringt Ehre|aber Reden bringt auch Schande und der Mensch kommt durch seine eigenen Beine zu Fall, denn schon im Mittelalter hieß es: DER MENSCH IST DUMM UND HÄSSLICH!!!

Erich Kästner
sie hören weit, sie sehen fern
Die Nacht ist dunkel, der Tag ist hell.
Ich bin schön, du bist hässlich.
Ich bin reich, du bist arm

Parataxe (Ellipse)
Eine Ellipse ist eine verkürzte Rede, in der die Aussage auf die wichtigsten Satzteile reduziert ist. "Veni, vidi, vici" - Ich kam, ich sah, ich siegte.

Pentameter
Fachbegriff der Metrik für einen Vers aus fünf Metren (ein antiker daktylischer Vers mit verkürztem drittem und letztem Versfuß). Ursprünglich zu fünf Versfüßen gezählt, weist der Pentameter in der deutschen Dichtung jedoch sechs Hebungen auf und wird zusammen mit Hexametern und Distichen verwendet.

Personifikation
(Personifikation, fictio personae oder Prosopopoiia (griech. prosopōn poeìn = eine Maske aufsetzen))
Eine rhetorische Figur, die Tieren, Pflanzen, Gegenständen, toten Personen oder abstrakten Wesenheiten eine Stimme gibt oder menschliche Züge verleiht,
"Natur schläft — ihr Odem steht,
Ihre grünen Locken hangen schwer,
Nur auf und nieder ihr Pulsschlag geht
Ungehemmt im heiligen Meer." (Annette von Droste-Hülshoff)

Perspektive
Der Standort des Erzählers, von dem aus ein Geschehen geschildert wird. Oft das Gedicht-Ich oder der Erzähler.

Pleonasmus
(griechisch pleonasmós ‘Überfluss’)
Eine sprachliche Erscheinung, bei der eine Bedeutung mehrfach zum Ausdruck gebracht wird oder bei der Ausdrucksmittel verwendet werden, die keine zusätzliche Information beisteuern. Beispiel: "hegen und pflegen, voll und ganz".
Je weniger die ursprüngliche Bedeutung dem Sprecher zugänglich ist, desto weniger wird der Gesamtausdruck als Pleonasmus empfunden. Pleonastische Wortschöpfungen ohne expliziten rhetorischen Hintergrund gelten dagegen häufig als schlechter Stil.

Prosodie
In der antiken Grammatik die Lehre von den Wortakzenten.

Reim
Gleichklang zweier oder mehrerer Silben, die meist am Wort- und Versende stehen (nicht beim Stabreim).
Reimformen
- männlicher (stumpfer) Reim: die Reimworte enden mit einer betonten Silbe: "sag - mag".
- reicher Reim: bei den Reimworten ist der vorletzte, meist betonte Vokal identisch.
- rührender Reim (identical rime): bei den Reimworten ist nicht nur der vorletzte, meist betonte Vokal identisch und sondern auch die Konsonanten sind identisch. Ein Beispiel ist das Reimpaar "Gefangen - verfangen".
- weiblicher (klingender) Reim: die Reimworte enden mit einer unbetonten Silbe: "gesungen - gesprungen".

Reimstellung
Bescheibung der relativen Annordnung mehrerer Reime innerhalb eines Gedichts.
Beipiele:
- Reimpaar: aa bb cc ...
- Kreuzreim: abab cdcd
- verschränkter Reim: abba (innerhalb von 4 Versen)
- Schweifreim: aabccb (innerhalb von 6 Versen)

Rhythmus
In der Poesie ist der Rhythmus im Gegensatz zur metrischen Konstanz der Versmaße die Abfolge von verschiedenen Akzentmustern.
Gliederung des Sprachablaufs im geregelten harmonischen Wechsel von langen und kurzen, betonten und unbetonten Silben durch Pausen und Sprachmelodie. Beispiel: Im Sprechgesang des Raps bestimmt der Rhythmus die Betonungen im Text.

Saturnier
Altrömisches Versmaß mit Langversen, bei dem Zahl und Anordnung beträchtlich schwanken. Der Saturnier ist eines der ältesten Versmaße der lateinischen Literatur und wurde bis zur Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr. für Gedichte unterschiedlichster Art verwendet. Die bedeutendsten überlieferten Texte finden sich in verschiedenen Grabinschriften.

Schüttelreim
Eine Reimform, bei der die Anfangskonsonanten der letzten beiden betonten Silben miteinander vertauscht werden. Er stellt somit eine Sonderform des Doppelreims (die letzten beiden betonten Silben jeder Zeile reimen sich) dar.
Es klapperte die Klapperschlang',
bis ihre Klapper
schlapper klang.
(Heinz Erhardt)

Senkungen (Thesis)
Ein Wort setzt sich aus aus betonten und unbetonten Silben zusammen. Die unbetonten Silben heißen im Vers Senkung. In den Wörtern Anhebung, Senkung oder Lyrik sind jeweils die nichtfettgedruckten Silben unbetont. In Versen steht das Versmaß manchmal der natürlichen Sprechweise entgegen. (Hebungen = Arsis)

Sestine
Eine aus sechs jambischen Verszeilen (Strophen) bestehende Gedichtform. Die Reimwörter der ersten Strophe werden durch sämtliche Strophen in festgelegter Folge beibehalten - wenn man die Reimwörter einer Strophe mit 1-6 nummeriert, dann kommen sie in der darauffolgenden Strophe in dieser Reihenfolge vor: 6,1,5,2,4,3; die übernächste Strophe enthält diese Reimwörter dann in der Folge 3,6,4,1,2,5. An die sechs Strophen schließt sich eine dreizeilige Coda an, in der sämtliche Reimwörter in der ursprünglichen Reihenfolge der ersten Strophe noch einmal (zwei pro Zeile) wiederkehren. Als Erfinder dieser Form gilt Arnaut Daniel, ein mittelalterlicher Trobador.

Silbe
Eine Lautform, die aus einem Vokal oder Doppelvokal und Konsonanten besteht und kleinste rhythmische Wortelement, welches der Dichter zum melodischen Dichten verwenden kann.

Siziliane
Aus Sizilien stammende Gedichtform. Sie ist eine spezielle Art der Stanze. Das Reimschema ist abababab. Sie wurde von Friedrich Rückert in die deutsche Dichtung eingeführt.

Sonett
(aus dem Italienischen: sonare = „tönen, klingen“)
Der Name bedeutet "kleines Tonstück" und wurde im deutschen Barock als "Klinggedicht" übersetzt. In Italien entstanden mit 14 Versen in zwei Teilen, von denen der erste aus zwei Strophen von je vier Versen, der zweite aus zwei Strophen von je drei Versen besteht. Die ersten beiden Strophen haben das Reimschema des Kreuzreims oder des Paarreims. Die letzten beiden Strophen bilden einen Schweifreim.

In Deutschland gilt seit A. W. Schlegel als Idealform der jambische Pentameter mit männlicher oder weiblicher Kadenz und dem Reimschema
abba – abba – cdc – dcd
In den beiden Terzetten kamen jedoch zu allen Zeiten viele Varianten vor, z. B.
abba – abba – ccd – eed
abba – abba – cde – cde
abba – abba – ccd – dee
Das englische Sonett reimte abab - cdcd - efef - gg

Spenserstrophe
Benannt nach Edmund Spenser, ist eine englische Sonderform der italienischen Stanze (Ottava rima). Von ihr unterscheidet sich diese Versform durch eine zusätzliche, neunte Schlusszeile mit dem Reim c. Diese Schlusszeile hat außerdem eine Hebung mehr als die vorigen Blankverse.

Spondeus
(auch: Spondäus) (griech. sponde, Trankopfer, Versmaß des Opferliedes) bezeichnet in der Verslehre einen Versfuß, der im quantitierenden griechischen und lateinischen Versmaß aus zwei langen Silben besteht. Er wird als Ersatz für Daktylus und Anapäst verwendt (eine der beiden Längen entspricht dann zwei Kürzen), nur selten dagegen als Ersatz für Jambus oder Trochäus. Im Hexameter, wo er in den ersten vier, seltener auch im fünften Fuß eintreten kann, dient er als Mittel der Abwechslung zur Vermeidung von Eintönigkeit.
Im Deutschen tritt bei der Nachbildung der antiken quantitierenden Versmaße an die Stelle der Silbenlänge als organisierendes Prinzip die Silbenbetonung. Der Spondeus ist deshalb im Deutschen schwer oder garnicht nachzubilden, da im Deutschen nicht zwei betonte Silben aufeinanderfolgen könnnen. Man kann stattdessen zwar zwei lange Silben aufeinanderfolgen lassen ("Blutmond"), von denen dann meist die erste betont ist, das regelhafte Prinzip der Nachbildung (Betonung für Länge) erfüllt man dadurch jedoch nicht.

Stabreim (Alliteration)
Der im Deutschen übliche Begriff für alliterierende altgermanische Versmaße.
Der Stabreim ist die älteste Form der Bindung deutscher Verse (Hildebrandslied), die im 9. Jh., später auch aus der englischen und nordischen Dichtung verschwindet. Er entsteht durch Gleichheit der Anfangskonsonanten.

Stanze
Die aus Italien stammende Strophenform besteht aus acht elfsilbigen Versen mit dem Reimschema abababcc. Die Stanze weist meist abwechselnd weibliche und männliche Kadenzen und eine Zweiteilung (V. 1-6 und 7-8) mit entsprechendem Wandel im Rhythmus auf. Seit der Renaissance wird die Stanze besonders in epischer Dichtung verwendet. Eine Stanze mit dem Schema ab,ab,ab,ab wird Siziliane genannt. Lord Byron und Edmund Spenser verwendeten die Reimstellung ab, ab, bc, bc mit einem neunten auf c reimenden Sechsheber.
Sonderformen der Stanze sind: Siziliane, Nonarime, Huitain, Spenserstrophe

Strophe
Eine Strophe (griechisch strofí - die Wendung, Kurve, Drehung, Biegung) nennt man einen Abschnitt eines lyrischen Textes. Hier bilden mehrere Verse eine größere rhythmische Einheit, die ein- oder mehrmals wiederholt wird, um ein Gedicht zu formen. Die Anfänge der Strophenbildung in Europa gehen auf Archilochos zurück, der sich auf zweizeilige (Distichen) oder dreizeilige Strophen beschränkte. In der Chorlyrik des 5. Jahrhunders bestanden Drama aber auchg aus zehn bis zwanzig Versen.

Symbol
Das Symbol (Lateinisch symbolum das (Kenn-)Zeichen, Emblem, Sinnbild, Bild, von ~ - zusammen~ und ballein - werfen, also das Zusammengefügte) bezeichnet ein Zeichen der Verbundenheit mit einer Bedeutung oder ihrem Besitzer. Symbole sind visuelle oder sprachlich formulierte Zeichen, die auf etwas außerhalb ihrer selbst verweisen.
Manchmal spricht man auch von Emblem, wenn einem bestimmten Zeichen ein bestimmter Sinn zugeordnet ist (z. B. Ring für Freundschaft).

Synästhesie
(griechisch sinästhissi - die Mitempfindung, auch zeitliches Zusammen-Fühlen)
In einem Ausdruck verschmelzen mehrere Sinneseindrücke und stilistische Figuren wie in "der helle Klang der Glocken".

Synekdoche
(griechisch synekdoché [altgriechische Aussprache], sinekdochí [heute] - das Mitverstehen, lateinisch intellectio)
Bezeichnet die Ersetzung eines Wortes durch einen Begriff engerer oder weiterer Bedeutung, einen Über- oder Unterbegriff. Die Synekdoche wird oft mit der Figur Metonymie (Pars pro toto lateinisch «ein Teil für das Ganze») verwechselt, die aber nur einen Spezialfall (wahrscheinlich den häufigsten) der Synekdoche darstellt.
(Männer für Menschen, drei Mann für drei Menschen
mit dem Schwert für mit Waffengewalt)

Takt
Der regelmäßige Wechsel von Betonung und Nichtbetonung.

Tautologie
(griech. „Dasselbe-Sagen“)
Bezeichnet in der Stilistik eine Häufung gleichbedeutender Wörter derselben Wortart (bereits schon; voll und ganz), andere werden zumeist als Tautologien empfunden, betonten aber ursprünglich feine Unterschiede (hegen und pflegen; immer und ewig; angst und bange; ganz und gar; schließlich und endlich; aus und vorbei, still und leise), was beides die Bedeutung verstärkt und hervorhebt. Häufig rühren Tautologien aus nicht verstandenen Begriffen oder Fremdwörtern her oder erleichtern bei Abkürzungen deren Aussprache.
Bewusste Tautologien werden in der Zwillingsformel geprägt.

Terzine
Die Terzine (italienisch terza rima) ist eine aus Italien stammende Gedichtform. Sie wurde von Dante Alighieri erfunden und bildet das Versschema der "Göttlichen Komödie".
Terzinen bestehen aus drei Verszeilen, die im Kettenreimschema aba-bcb-cdc-ded gekoppelt sind. In der italienischen Dichtung hat eine Zeile meist elf Silben (endecasillabo), im Deutschen und Englischen dominiert der zehnsilbige jambische Pentameter.

Topos
In der Rhetorik stellen Topoi die Orte dar, an denen Argumente aufzusuchen seien (Quintilian, sedes argumentorum, in quibus latent, ex quibus sunt petenda). Aristoteles fasst den Begriff Topos weiter, sowohl heuristisch (als Suchort), argumentativ (als Anstoß zu einer Argumentation) und rhetorisch (als Teil der Rede selbst). Der Teilbereich der Rhetorik, der sich mit dem Topos befasst, wird Topik genannt.

Trochaeus oder Trochäus
(griech. trochaios, Läufer
)
bezeichnet einen antiken Versfuß in dem auf eine schwere (lange oder betonte) Silbe eine leichte (kurze oder unbetonte) folgt. Weil er oft in griechischen Chorliedern vorkommt, wird er auch Choreus genannt.
Ein Beispiel mit vier Trochäi ist der Vers: "Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!"

Umschreibung
Hier wir der eigentliche Gegenstand oder Sachverhalt über einen Umweg erschlossen.

Verdinglichung
Mittel mit dem abstrakte Begriffe oder Themen mit Ausdrücken beschrieben werden, die der Leser sich vorstellen oder anfassen kann. Durch das Verdinglichen entstehen Symbole oder Chiffren. ("Das Wasser der Wahrheit")

Vergleich
Eine Sache wird mit einer anderen oft in Bildhaften Beispielen verglichen.

Vers
(lat.: versus, von vertere "umwenden")
Eine in sich abgeschlossene und regelmäßig wiederkehrende Linie oder Zeile, die Strophe eines Liedes oder Gedichts. Das Ganze der einzelnen verbundenen Verse nennt man Vers, daher spricht man von Liederversen.

Verwirren
Eine Sache aus seinem gewohnten Schema heraus reißen.
Beipiele:
- Anakoluth (Gedankensprung): Die semantische Satzkonstruktion wird nicht richtig fortgesetzt, weil die Gedanken mitten im Satz eine andere Richtung nehmen.
- Katachrese (Bildbruch): Verwendung eines nicht passenden, fehlerhaften oder fremden Ausdrucks.
- Litotes (doppelte Verneinung): Etwas Positives wird durch die Verneinung des Gegenteils ausgedrückt.
- Zeugma: Ein Verb beherrscht mehrere gleichgeordnete, aber nicht gleichartige Objekte bzw. Sätze.

Vierzeiler
Eine Gedichtform aus vier Verszeilen, die sehr häufig ist. Meist reimen sich die Verse in Vierzeilern, sehr oft in der Form abab. Auch aabb, abba und aaaa kommen vor. Bei der Form aabb hat der Vierzeiler oft Ähnlichkeit mit einem aus zwei Zweizeilern bestehenden Gedicht. Längere Gedichte sind oft aus vierzeiligen Strophen zusammengestellt.

Xenien
(griech.), ursprünglich "Gastgeschenke", nannte der römische Dichter Martial (1. Jahrhundert n. Chr) eine Sammlung seiner Epigramme, die als Begleitverse zu Geschenken gedacht waren. Johann Wolfgang von Goethe übernahm diesen Titel im ironischen Sinne für Distichen, die er gemeinsam mit Friedrich Schiller verfasst hatte. In ihnen rechnen sie mit ihren literarischen Gegnern ab und mustern die gesamte Literatur ihrer Zeit kritisch. Den Anteil der beiden Dichter an der Verfasserschaft der insgesamt 414 Distichen festzustellen, ist nicht mehr möglich. Erstmals veröffentlicht wurden diese Xenien in Schillers Musenalmanach auf das Jahr 1797. Später publizierte Goethe eine Sammlung selbstgefertigter Reimsprüche unter dem Titel Zahme Xenien (1820).
Carl Leberecht Immermann wählte die Bezeichnung Xenien für seine in Epigrammform verfassten Polemiken gegen Schriftsteller seiner Zeit, Heinrich Heine veröffentlichte sie 1827 als Anhang zum zweiten Teil seiner Reisebilder.

Zäsur
Die Zäsur ist allgemein ein (gedanklicher) Einschnitt. Zäsuren sind z.B. in der römischen, griechischen und germanischen Dichtung Einschnitte, die nach bestimmten Quantitäten im Vers erfolgen. Eine Zäsur markiert eine minimale Pause beim Lesen, wie zum Beispiel am Hexameter.
Bei der Platzierung von Zäsuren wird eine lange Einheit als eins gezählt und zwei kurze Einheiten ebenfalls als eins. Es gibt folgende Zäsuren:
Trithemimeres (nach drei Einheiten)
Penthemimeres (nach fünf Einheiten)
Hephthemimeres (nach sieben Einheiten).

Beispiel: Es ist alles eitel. (1663) von Andreas Gryphius:
Du siehst, wohin du siehst, | nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, | reißt jener morgen ein,
Wo itzund Städte stehn, | wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind | wird spielen mit den Herden.

Zeugma
Eine rhetorische Figur (auch Stilfigur oder Redefigur) ist eine sprachliche Darstellungsform, die lexisch oder syntaktisch von der üblichen Sprechweise abweicht. Sie wird vom Autor meist gezielt eingesetzt, um eine bestimmte Wirkung beim Leser hervorzurufen. Die Wirkung der Stilmittel ist meistens eine besondere Betonung, die der Leser oder Zuhörer unbewusst aufnimmt. Hier beherrscht ein Verb mehrere gleichgeordnete, aber nicht gleichartige Objekte bzw. Sätze.