Maurice teilt sein Buch mit Vielen
Kinderbuchautorin Iris Kater: Es begann mit Lust am Zeichnen und einer Gute-Nacht-Geschichte
Viersen. Es war einmal eine junge Mutter, die setzte sich ans Bett ihres Sohnes, um ihm eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen, eine Geschichte vom Drachenkind Cado und seinem kleinen Freund Maurice (so heißt auch der Junge der in den Kissen gespannt lauschte). Und weil die Mutti schon als Kind so gern gemalt hat, zeichnete sie bunte Bilder zu Cados Abenteuern. Geschichten und Bilder gefielen auch Maurice‘ Freunden im Kindergarten, dann vielen anderen Kindern, und heute kann sich die junge Mutti Kinderbuchautorin nennen. „Maurice findet einen kleinen Freund“ heißt die Erstveröffentlichung (Fischer-Verlag) von Iris Kater (25), drei weitere Manuskripte liegen fertig in der Schublade.
„Seid ich zurückdenken kann, hatte ich immer nur Einsen im Kunstunterricht“, lacht Iris Kater beim RP -Gespräch. Als Maurice geboren wurde,, stürzte sie sich wieder richtig in ihr Hobby, denn „ich wollte das Kinderzimmer verschönern“. Sie bemalte die Wand in kräftigen Farben. Mittlerweile nimmt die Freizeitbeschäftigung professionelle formen an: Iris Kater zeichnet Titelbilder für Pfarrbriefe und hat erst kürzlich für die grenzüberschreitend agierende Initiative bessere Zukunft (IBZ) mit Sitz im bayerischen Markt Schwaben das Logo für den Briefkopf gestaltet. Entwürfe füllen etliche Aktenordner.
Kranken Kindern vorgelesen
Verdienen kann die Frau eines Soldaten aus Dornbusch damit vorerst nichts. Viele Cado-Bilder stiftete sie Kindergärten, Kinderkrankenhäusern oder dem Aachener Ronald McDonald-Kinderhaus, wo Iris Kater einige Male schwer kranken, im Klinikum behandelten Kindern vorgelesen hat. Das Buch ist ein Zuschussgeschäft, denn die Autorin hat ein Drittel der Kosten (das waren 9000 Mark) selbst zu tragen. , erst wenn die Erstauflage von tausend Stück verkauft ist, erhält sie von jedem weiteren Verkaufserlös zehn Prozent. Mit diesem Buch hat sie sich einen Traum erfüllt,, doch für die Veröffentlichung der anderen Manuskripte muss sie Sponsoren finden. Die Haushaltskasse der kleinen Familie, zu der die Katzen Socke und Schnuff gehören, bessert ein Halbtagsjob beim Ordnungsamt des Kreises auf. Die gelernte Justizangestellt hat sich per Fernstudium zur Dipl.-Sekretärin weitergebildet. Die Freude der Kinder ist für Iris Kater der schönste Lohn: „Traumhaft, wenn 20 Kinder auf mich zustürzen und mich mit Fragen löchern, wie: Hat der kleine Drache schon Zähne, wenn er aus dem Ei schlüpft, oder trägt er Flaum?“ Das Land der Phantasie kennt keine Grenzen, das beweisen der 25-jährigen die Tschernobyl-geschädigten russischen Kinder im Aachener Kinderhaus, die Cado auch ganz toll finden. „Wenn die mir zulächeln, weiß ich, dass die Geschichte angekommen ist.“ Die Kinder dürfen außerdem Rätsel lösen, die Bilder ausmalen, und sie finden sogar ein Rezept für Knetmasse, um Cado nachbilden zu können. Iris Kater zeichnet alles, was ihrer Phantasie entspringt, am liebsten abends im Bett, manchmal wacht sie auch morgens am Schreibtisch auf, den Stift noch in der Hand. Sie malt in Öl und Aquarell, oft mit Graphit. Viele Ideen bezieht die leidenschaftliche Walt-Disney-Liebhaberin, die ein fast komplette Sammlung besitzt, aus Comics. Die Mutter, eine Erzieherin, hatte sie angespornt, Bilder und Geschichten zu veröffentlichen. Ihr Talent machte schnell die Runde: Nach einer Reportage in der katholischen Illustrierten „missio“ quoll der Briefkasten über, die IBZ-Anfrage kam übers Internet (Drachen-Homepage: www.iriskater.de). In drei Wochen zieht die Familie Kater in ein Häuschen in Viersen-Ummer. Maurice, der von Muttis Büchern inzwischen auf Pokemon umgestiegen ist, hat sich für sein neues Zimmer wieder große Bilder gewünscht.


