Iris Kater Verlag & Medien GmbH

02.04.2001 - Stadtmagazin Mönchengladbach

Kind, Miezekatzen und ein Drache

In einem 400 Jahre alten Haus in Viersen kämpft Iris Kater jenen aussichtreichen Kampf aller Altbaubesitzerinnen. Sie hat ein Studium als Diplom-Sekretärin erfolgreich absolviert, ist verheiratet und arbeitet halbtags als Justizangestellte. Das alles riecht ihr aber nicht. „Als mein Sohn so ungefähr drei Jahre alt war, hab ich ihm abends Geschichten vorgelesen. Irgendwann kannte er alle Geschichten. Wie das nun so ist. Rotkäppchen und Hänsel und Gretel gefielen ihm dann nicht mehr. Er wollte was Modernes haben.“

 

Dann hat er sich eine Geschichte mit einem Drachen gewünscht. Aber nicht eine aus einem Buch, sondern eine selbstgemachte erfundene. Für abends am Kinderbett. Dann hab ich angefangen, eine Geschichte zu erzählen. Von einem kleinen Drachen.

Dr. Seuss, der berühmteste Bilderbuchautor des 20. Jahrhunderts, meint über seine jungen Leser: „Kinder sind unerbittliche Kritiker. Man kann sie nicht für dumm verkaufen. Sie haben einen scharfen Sinn für Logik. Wenn du beispielsweise eine Gestalt geschaffen hast, die , sagen wir mal, geizig sein soll, und du lässt sie plötzlich etwas tun, was eine andere vorherrschende Charakteristik anzeigt - Eifersucht etwa, oder ein jähzorniges Temperament - merken es Kinder sofort, dass du hier das Gesetz der Einfachheit und Stimmigkeit durchbrochen hast.“

 

Iris Katers erstes Buch „Maurice findet einen kleinen Freund“ war nun die Geschichte vom kleinen Maurice, der eines Tages ein ungewöhnliches Ei mit roten Punkten findet. Maurice steckt es ein und nimmt es mit nach Hause. Zur Überraschung aller schlüpft ein kleiner Drache aus dem Ei. Das gibt reichlich Aufregung in der kleinen Familie von Maurice, denn wer weiß schon, wie man mit kleinen Drachen umgeht? Zunächst war es ja nur eine „Müde bin ich, geh zur Ruh“-Geschichte, die für Iris Katers Sohn gedacht war. Der wollte aber dann unbedingt wissen, wie so ein kleiner Drache aussieht. Als er dann diese Drachenzeichnung mit in die Schule nahm und dazu noch die Geschichte erzählte, fanden die Kindergartenkinder samt Erzieherinnen, dass diese Geschichte unbedingt als Buch auch vielen anderen Kindern Spaß machen solle. Was also blieb der jungen rührigen Mutter anderes übrig, als die ersten Erfahrungen und Schritte als Kinderbuchautorin zu tun? Dieses erste Kinderbuch von Iris Kater ist von ihr selbst mit sehr schönen Zeichnungen illustriert, die, in Schwarz-Weiß gehalten, von den Kindern ausgemalt werden können. Dabei bleibt es aber nicht, denn es gibt auch ein Rezept wie man Knetmasse herstellt oder eine Zeichnung selbst vollendet und damit herausbekommt, wovor sich der kleine Drache erschreckt hat. Ärgerlich für die Autorin war nur die Zusammenarbeit mit einem Druckkostenzuschussverlag, bei dem „Maurice findet einen kleinen Freund“ herauskam. Iris Kater bekam schon für ihr Erstlingswerk großes Lob, weil dieses Drachenmärchen völlig gewaltfrei war. Schriftstellerin oder gar Kinderbuchautorin war eigentlich nie ihr großer Berufswunsch: „Ich wollte mal Naturwissenschaft studieren. Aber ich hatte damals nicht mehr genug Lust auf Schule, wie das so ist. Nach der 10. Klasse ging mir die Schule etwas auf den Keks ...“

Namen von der Drachenprinzessin

In der Zwischenzeit gibt es schon reichlich Arbeit, wie Lesungen in Kindergärten (sogar schon in Düsseldorf) bei denen Namen von der Drachenprinzessin dann auch gleich von den Kindern erste Malversuche unternommen werden. So ist „Maurice findet einen kleinen Freund“ nicht nur eine schöne und gewaltfreie Einschlafgeschichte, sondern auch ein Buch mit dem die Kinder ab 4 Jahren richtig arbeiten können.

 

Und weil das erste Buch ein Erfolg war musste natürlich eine Fortsetzung her - „Cado und die Farbdiebe“ (ISBN 3-89675-803-9, 88 Seiten, DM 12,71 oder 6,50 Euro).

„Ich weiß“, sagt die Autorin, „das hört sich etwas komisch an. Der Hauptdarsteller ist wieder der kleine Drache. Der heißt aber jetzt Cado. Er hat nämlich von der Drachenprinzessin einen Namen bekommen.“ Auch im zweiten Band, der schon besser ausgestattet ist und von der Kinderklinik St. Nikolaus gesponsert wurde, entwickelt die Autorin ihr Konzept aus Kindermitarbeit samt einer unterhaltsamen Geschichte weiter. Und weil es ja um Farbdiebe geht, die dem Drachen Cado Probleme bereiten, kann man einiges über Farben lernen und wie wichtig die im Leben der Menschen und natürlich auch der Drachen sind. Es ist wirklich erstaunlich, wie Iris Kater das alles schafft. Ein altes Haus, ein riesiger Garten und dazu Kind und Mann, dann die Malerei und dazu noch Katzen. Bei ihrem zweiten Buch ging es ohne Druckkostenzuschuss ab, denn im Literareon Verlag in München wird nach dem Book on Demand Verfahren produziert.

Kindereien als e-book

Nicht jeder kann für Kinder schreiben und einfach ist es auch nicht. Nochmals Dr. Seuss: „Um ein Buch von 60 Seiten zu bekommen, schreibe ich leicht 1000 Seiten hin, bis ich ein befriedigendes Ergebnis erreiche. Die Geschichte muss sich klar und logisch entwickeln, mit einem glaubwürdigen Problem und einer schlüssigen Lösung.“

Zukunftspläne hat die junge Viersener Autorin natürlich auch. Es wird ein weiteres Buch geben und ab 5. Juni 2001 stellt die Kreisbibliothek in Kempen ihre Buchillustrationen - natürlich bunt und in DINA 3 Größe - aus. Es gibt aber auch den Titel „Cado und seine Freunde“ als e-book im Internet (www.ebookcom.net). Daran ist ein Malprogramm angehängt, mit dem die Kinder nicht nur eine schöne Geschichte lesen können, sondern auch spielerisch den Umgang mit dem PC lernen. Denn der, so wenig „literarisch“ das klingen mag, gehört zur Kinderwelt. Und wer Iris Kater und ihre Arbeit dann noch genauer kennen lernen will, der kann ja bei www.iriskater.de nachschauen.