Iris Kater Verlag & Medien GmbH

21.03.2002 - Grenzland-Nachrichten

“Es ist zumindest ein Appell“

Autorinnen trafen sich zum Gespräch: Gewaltfreiheit muss nicht Langeweile bedeuten

Es trafen sich in der Redaktion der Grenzland-Nachrichten (von links): die Grefratherin Regina Hanisch, die Viersenerin Iris Kater, Leiter des Verlages „Katercom“, und die Niederkrüchtenerin Ingrid Kroese. Im Vordergrund Mario, der Sohn von Ingrid Kroese, der sich während des Gesprächs künstlerisch auf dem Gebiet der Malerei beschäftigte.

Grenzland. Klein hat es begonnen: Maurice, der Sohn von Iris Kater, bat seine Mutter, Gute-Nacht-Geschichten für ihn zu erfinden. Bald wurden die Geschichten niedergeschrieben und auch reichlich illustriert. Und der Gedanke wuchs und wuchs. Inzwischen hat die Viersenerin mit „Katercom“ einen Verlag ins Leben gerufen, der ausschließlich gewaltfreie Bücher herausgibt. „Eltern sollen die Gewissheit haben, dass man Kinder mit diesen Geschichten alleine lassen kann“, sagt Iris Kater, die als Diplom-Sekretärin beim Kreis Viersen ihrer Arbeit nachgeht.

Renate Greifenstein aus Krefeld, Regina Hanisch, Grundschullehrerin aus Grefrath, Ingrid Kroese, Computer-Reisefachfrau aus Niederkrüchten, haben nun im Verlag Katercom ihr Buch „Stachel, der kleine Igel, erzählt Geschichten“, veröffentlicht. Verlagsleiterin Iris Kater, Regina Hanisch und Ingrid Kroese trafen sich zum Gespräch in der Redaktion der Grenzland-Nachrichten.

Waren es Schlüsselerlebnisse, gewaltfreie Kinderbücher zu schreiben und herauszugeben?

Ingrid Kroese: Gestern hat mein Sohn noch eine harmlose Elefantengeschichte im Fernsehen geguckt, dann ist er der liebste Junge. Alle Spielzeuge vertragen sich miteinander. Wenn er aber Paulchen Panther gesehen hat, dann höre ich ihn nur rufen „Klatsch, ich hab‘ dich fertig gemacht“. Das erklärt alles.

Iris Kater: Ich hatte ein ähnliches Erlebnis. Mein Sohn sah vormittags auf RTL einen Kinderfilm, der von lebendigen Mumien handelte. Nacht hatte er Alpträume. Das war das erste Mal, dass er mich bat, Mami, liest du mir was vor? Aber ich möchte, dass du die Geschichte erfindet.“ So sind meine Geschichten entstanden. Diese Geschichten sind aber kein „Kindermädchen“, wie vielleicht das Fernsehen. Nein, man muss sich mit dem Kind beschäftigen.

Ist das nicht ein Ruf in den weiten Wald?

Iris Kater: Nein, ich habe festgestellt, dass sich wieder viele Eltern mit ihren Kindern beschäftigen.

Regina Hanisch: Es soll wenigstens ein Appell sein. Ich erlebe in der Schule, dass Aggressionen doch sehr groß geworden sind. Wenn Kinder mit einem Stöckchen eine Pistole simulieren und sich gegenseitig erschießen wollen, dann finde ich das nicht mehr lustig. Kinder imitieren das, was sie im Fernsehen gesehen haben.

Iris Kater: So entstehen genau die Momente, in denen Kinder aufeinander einstechen und sagen „ich wollte das nur mal ausprobieren, ich hab‘ das so gesehen“. Mein Kind ist wesentlich ruhiger, wenn ich ihm eine liebe Geschichte vorlese.

Unsere Gesellschaft muss ständig mit Besiegten und Siegern auskommen. Provokativ gefragt: Ist es nicht die falsche Vorbereitung, wenn man den Kindern nur „liebe“ Geschichten vorliest?

Ingrid Kroese: Das ist doch alles in Relation zu sehen. Sport ist gesund, heißt es, doch wenn man jeden Tag Sport bis zum Umfallen ausübt, ist es auch nicht mehr gesund.

Regina Hanisch: Gewaltfrei heißt ja nicht „schlag mich und ich schlag‘ nicht zurück“. Gewaltfreiheit bedeutet, nach anderen Konfliktlösungen zu suchen. Es ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: Wenn wir nicht im Kleinen anfangen, können wir nie groß werden.

Iris Kater: In meiner Geschichte „Cado und die Farbdiebe“ werden die Farben der Menschen gestohlen. Es stellt sich aber heraus, dass die Diebe nicht böse waren, sondern nur Angst hatten, wir Menschen würden die Farben nicht mit ihnen teilen.<BR<Wie stellt sich Konfliktlösung in Ihren Büchern dar?

Ingrid Kroese: Es geht nicht nur um die Form der Auseinandersetzung, sondern auch um die Auswege aus dem Konflikt. Dabei spielt Kreativität eine große Rolle. Man darf Angst zugeben, soll sie aber auch bewältigen. Und man darf um Hilfe fragen und diese annehmen. Kinder können wesentlich mehr, als Erwachsene ihnen zutrauen.

Iris Kater: Kinder haben nicht die Angst, wie wir Erwachsene uns das vorstellen. Aber sie haben sicherlich Angst vorm Alleinsein.

Regina Hanisch: Kinder zeigen ihre Angst auf ihre Art. Sie kommen zum Beispiel schmusen und suchen so Schutz. Wichtig ist: Man muss den Kindern Wege aufzeigen, dass sie Konflikte auf friedliche Weise selbst lösen können.

Es ist doch sicherlich eine Utopie zu denken, unsere Welt könnte ohne Gewalt funktionieren. Manchmal muss man doch Gewalt anwenden, um andere Gewalt zu beenden.

Iris Kater: Wir wollen auch nicht die Gewalt aus der Welt entfernen. Aber wir wollen andere Wege aufzeigen. Wir haben so viel Gewalt auf unserer Welt, die Kinder kennen den anderen Weg nicht mehr.

Regina Hanisch: Wir wollen Kinder sensilibieren, dass es auch andere Konfliktlösungen gibt.

Wie sähe dieser andere Weg aus?

Regina Hanisch: Unsere Sorge ist, dass dieser gewaltvolle Weg als selbstverständlich dargestellt wird. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten: Miteinander sprechen, Zuhören, Bitten, Sich-helfen-lassen.

Iris Kater: Der Grundgedanke unserer Geschichten entstand aus Erfahrungen, aus Muttergefühlen. Wir können sicherlich nicht die Welt verändern, aber vielleicht einige Kleinigkeiten. Vielleicht denkt das Kind in einer Situation: „Nehme ich mir das einfach oder frage ich?“

Informationen zu allen Büchern findet man im Internet unter www.katercom.com oder www.iriskater.de. Ebenso bieten hiesige Buchhändler die Bücher des Verlages an.