Die überraschende Silvesternacht
von Iris Kater
Es war ein kalter, weißverschneiter Winter im Drachenland. Langsam und leise schwebten glitzernde Schneeflocken zur Erde. Ohne zu fragen landete eine dieser Schneeflocken auf Cados Nase und schmolz dahin. Langsam wurde es dunkel als Cado, der Drachenkönig durch den Drachenlandwald wanderte um seinen Freund den Raben Didi zu besuchen. Dick in seinen warmen Mantel gehüllt, rieb sich Cado seine Hände. Über kleinere und größere Äste musste er klettern, während es hier und dort im Gehölz knackte.
Nach einiger Zeit hatte er die gemütliche Baumwohnung erreicht, in der Didi, der Rabe wohnte. Cado klopfte … doch es war niemand da. „Komisch“, dachte sich Cado. „Um diese Uhrzeit ist Didi doch immer zu Hause. Na ja …“ Cado zuckte mit den Achseln und klappte den Mantelkragen wieder hoch. „Ich glaube“, sagte er leise, „ich werde einfach meinen Mäusefreund Maurice besuchen und mich bei ihm ein wenig aufwärmen.“ Der kleine grüne Drache drehte sich um und wanderte ein Stück tiefer in den Wald hinein. Doch auch hier fand Cado nur eine verschlossene Tür. „Mensch“, murmelte Cado, „was ist denn heute los? Ist denn heute irgendetwas Besonderes?“ Nein, für Cado war es ein Abend wie jeder andere. Der Drachenkönig wollte gerade wieder nach Hause, als er im Gebüsch etwas rascheln hörte. Als Cado näher hinsah kroch ein kleiner Igel aus dem Gestrüpp. Durchgefroren und mit einer triefenden Nase schlich er auf Cado zu. „Ja, was machst du denn noch hier draußen?“, fragte Cado den kleinen Igel besorgt und hob ihn unter seinen Mantel. „Iiich weiß auch nnnicht“, stotterte der Igel zitternd. „Aaaber, ich hatte so ein komisches Gefühl im Magen. Heute ist bestimmt ein ggganz besonderer Tag!“ „Komisch!“, antwortete Cado. „Didi ist nicht da, Maurice ist nicht da … was ist denn heute?“ Der kleine Igel zuckte ahnungslos mit seinen Schultern. „Weißt du was!“, sagte Cado, „Wir gehen jetzt zu Sascha, dem Kuschelmonster. Sascha weiß bestimmt was heute los ist und ganz nebenbei können wir uns dort auch vor einem kuscheligen Feuer aufwärmen.“ Der kleine Igel nickte zustimmend. Dann wanderte der Drachenkönig wieder ein Stück durch den Wald und mit seinem Mantel hielt er den kleinen Igel warm. Aber wie auch zuvor war auch bei Sascha, dem Kuschelmonster niemand. Es war jetzt schon fast Mitternacht und Cado entschloss sich den Igel zurück mit zum Drachenschloss zu nehmen und dort herauszufinden was denn heute nur los war.
Auf dem Weg zurück kam er an einem Holzschild vorbei. In großen Buchstaben stand hier „Wald-Spiegel“ geschrieben. „Schau kleiner Igel“, lächelte Cado, „hier geht es zu unserer Drachenlandzeitung. Mmh, weißt du was, wir schauen einfach einmal, ob wir hier jemanden finden.“ Cado war keine zwei Schritte gegangen, da kam aus der Dunkelheit der Rabe Didi angeflogen. „Cado, Cado“, rief Didi schon von weitem außer Atem. „Ja, wo bleibst du denn? Wir warten alle schon auf dich!“ „Auf mich?“ Cado schaute Didi mit großen Augen an. „Weißt du etwa nicht mehr was heute ist?“, staunte Didi und fing lauthals an zu lachen. „Nein ich weiß nicht was heute ist“, grummelte der Drachenkönig leicht beleidigt. „Aber Cado, heute ist doch Silvester …“
Aber ja, Cado schlug sich gegen seine Stirn. Heute war Silvester und er wollte doch mit all seinen Freunden und seiner Familie hineinfeiern. O man, er hatte die große Party im Wald-Spiegel schon seit Wochen geplant. Ja, so sehr geplant, dass er glatt das Datum vergessen hatte.
Egal, … denn eine tolle Party wurde es dann auch … eine Party, die Cado, der Drachenkönig fast verpasst hätte.
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