Iris Kater Verlag & Medien GmbH

20.07.2006 - Grenzland-Nachrichten


Autorin, Illustratorin, Verlegerin
Iris Kater über den Drachen Cado, Gewalt im Fernsehen und ihr neuestes Projekt „Wir Kinder“

Von Katharine Linges
Grenzland. Wenn Iris Kater von ihrem Arbeitsalltag erzählt, hört man den Spaß heraus, den ihr Beruf mit sich bringt.
Denn die Kinderbuchautorin ist nicht nur Leiterin ihres eigenen Verlages und
Vorsitzende eines Wohltätigkeitsvereines, sondern auch noch Mutter
von inzwischen drei Söhnen. Wie sie all diese Aufgaben bewältigt und
nebenbei auch noch internationale Anerkennung für ihre Arbeit erntet,
verrät die erfolgreiche Autorin in einem Gespräch in der GN-Redaktion.


„Ohne den Spaß an der Sache hätte ich vielleicht schon aufgegeben”,
sagt Iris Kater lächelnd, als das Gespräch auf ihre zahlreichen
beruflichen Verpflichtungen kommt. Natürlich, so Kater weiter, sei
die Verantwortung hoch und die Freizeit gering, doch ihre Familie
stehe voll und ganz hinter ihr. Ihr Lebensgefährte, der zwei Söhne
mit in die Familie gebracht hat, begleitet sie beispielsweise zu
Buchmessen und arbeitet ebenfalls im Verlag mit. Außerdem tragen
zahlreiche freiberufliche Mitarbeiter zum reibungslosen Ablauf des
Unternehmens bei. Trotzdem bleibt viel Arbeit liegen, die die
Verlagsleiterin abends oder wie kürzlich in ihrer Urlaubszeit
nebenbei erledigt - Proteste ihrer Kinder inklusive. Da ihre Söhne in
den Sommerferien jede freie Minute draußen oder bei Freunden
verbringen, geht ihr die Arbeit zur Zeit leichter von der Hand.

Das war allerdings nicht immer so: Als ihr Sohn noch jünger war und
häufiger an Mutters Rockzipfel hing, war der Spruch „Mama, du
arbeitest zu viel“ beinahe ein Standardsatz. Mittlerweile hält Kater
die Balance zwischen Arbeit und Familie - und schreibt zur Zeit an
einer Fortsetzung ihrer Kinderbuchreihe, in der sich alles um den
kleinen Drachen Cado dreht. „Cado ist 001 - Auf der Suche nach dem
Sammler“ heißt ihr 14. Buch der Cado-Reihe, das im Herbst erscheinen
wird. Diesmal schlittert der kleine Drache in eine handfeste
Kriminalgeschichte: Seine Frau wirft ihm vor, ständig Dinge
wegzuräumen, die schließlich unauffindbar sind. Cado jedoch fällt
durch Zufall in ein Loch und findet einen Ort, an dem sich all die
Dinge befinden, die in seinem Haus vermisst werden. Neugierig
geworden begibt er sich auf die Suche nach dem mysteriösen Sammler
und seinen Beweggründen. Ist der Sammler vielleicht doch kein
gemeiner Dieb? Auch diesmal wird ihr Buch gewaltfrei bleiben - eine
Philosophie, die sich Kater zur Aufgabe gemacht hat.

Ihr Schlüsselerlebnis, das sie überhaupt erst zum Bücherschreiben
animierte: Ihr ältester Sohn verspürte 1999 den dringlichen Wunsch,
nach einem Alptraum eine Drachengeschichte zum Einschlafen zu hören.
In Ermangelung einer Gute-Nacht-Geschichte, in der ein solches
Fabelwesen auftaucht, dachte sich Kater im Handumdrehen selbst den
kleinen Cado aus, die Geburtsstunde ihres Erfolgsprotagonisten.
„Meine Bücher sind speziell als abendliche Vorlesegeschichten für
Kinder von fünf bis etwa zehn Jahren, weniger als
Unterhaltungslektüre gedacht“, verdeutlicht die Autorin. Kritische
Stimmen, die ihr vorwerfen, langweilige und spannungslose Geschichten
zu schreiben, prallen an ihr schlichtweg ab. „Es gibt speziell im
Fernsehen genug Gewalt, mit der Kinder umgehen lernen müssen. Meine
Bücher sollen Möglichkeiten verschaffen, behütet und sorgenfrei von
einer heilen Welt zu träumen und alternative Verhaltensweisen
aufzuzeigen. Ein Konflikt auf dem Schulhof lässt sich auch ohne
Treten und Schlagen lösen!“

Die zunehmende Gewaltbereitschaft an deutschen Schulen, wie sie am
Beispiel der Rütli-Schule in Berlin publik geworden ist, hofft die
Autorin mit ihren Geschichten zumindest eindämmen zu können. Positive
Rückmeldungen bestärken Iris Kater in ihrer Arbeit; vor allem in
Österreich und der Schweiz ist die Resonanz auf ihre Bücher groß und
die Verkaufszahlen im Gegensatz zu Deutschland sind enorm. Das
Konzept scheint anzukommen. Erst kürzlich bekam sie Rezensionen
einiger Erst- und Zweitklässler, die überwiegend positiv ausfielen,
und auch eine Vielzahl von Pädagogen ist auf den Geschmack gekommen.
„Ich will keinen Harry Potter schreiben“, betont Kater. Viel
wichtiger sei es, die kleinen Cado-Fans glücklich zu machen, die nach
einer ihrer Geschichten zufrieden einschlafen können. Dass da nicht
jeder restlos begeistert sein könne, läge in der Natur der Sache. Ihr
überregionales Ansehen verbindet die Autorin mit ihrem Engagement und
zahlreichen Promotionaktionen, so zum Beispiel auf Buchmessen.
Besonders stolz ist sie auf den Cado-Fanclub, der inzwischen rund
10.000 Mitglieder zählt.

Allen Autoren rät sie, selbstständig aktiv zu werden, um ihre Bücher
zu verkaufen. „Gerade zu Zeiten des unkomplizierteren, weniger
kostspieligen Digitaldrucks existieren wahnsinnig viele neue Bücher
unbekannter Autoren“, stellt Kater fest. „Ohne eigene Werbung, die
nicht vom Verlag ausgeht, fällt man in der Masse nicht auf.“
Schattenseiten ihres Erfolgs konnte Iris Kater bisher nicht
verzeichnen. „Viele Nachbarn und Bekannte kommen auf mich zu und
gratulieren mir zu meinem Erfolg“, erzählt die Autorin. Dabei sei sie eher in den
Beruf „hineingestolpert“, geplant war diese Karriere keineswegs.
Nachdem ihr Sohn eine ihrer Cado-Geschichten mit in den Kindergarten
genommen hatte, fragten plötzlich begeisterte Eltern nach einer Kopie.
Zum eigenen Verlag kam sie auf Grund schlechter Erfahrungen bei der
Veröffentlichung ihres ersten Buches.
Zu hohe Preise und mangelnde Gesellschaft als
Kinderbuchautorin innerhalb des Verlags brachten Iris Kater auf die
Idee, ihre Bücher selbstständig zu verlegen. Mittlerweile gibt der
Katercom - bzw. Rotblattverlag unbekannten Autoren die Chance, ihre
Manuskripte zu veröffentlichen. Oft eilt der gute Ruf des Verlages
voraus und lockt Interessenten an, die von Freunden und Bekannten auf
Iris Kater aufmerksam gemacht wurden. Im Oktober wird der Verlag auch
auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. Unter der
Internetadresse www.le-livre.de finden sich viele nützliche Tipps für
Autorenneulinge, die Komplikationen bei der Veröffentlichung
vermeiden können. „Wir wollen nicht nur das Geld einheimsen, sondern
auch für unsere Autoren da sein - ein bißchen wie eine große Familie.“

Ihr neustes Projekt liegt Iris Kater persönlich sehr am Herzen: Die
Zeitschrift „Wir Kinder“, die auf einer Initiative des Viersener
Vereins „Gänseblümchen - Charity for Kids e.V.“ beruht, richtet sich
besonders an Familien im Ganzen. Sie möchte dazu beitragen, dass
Kinder sich wieder mehr mit ihren Eltern und Großeltern beschäftigen.
Außerdem soll das Interesse der Kinder vom Fernsehen wieder stärker
aufs Lesen gelenkt werden. Iris Kater, als Vorsitzende des Vereins,
produziert die Zeitschrift in ihrem Verlag, finanziert wird das ganze
durch Anzeigen, hier besonders durch die Stadtsparkasse Krefeld,
deren Filialen in Zukunft alle mit Ausgaben der „Wir Kinder“
ausgestattet sein werden. Die kostenlose Vergabe soll auch sozial
schwächeren Familien die Lektüre ermöglichen. Während an der ersten
Ausgabe der Zeitschrift nur fünf Mitarbeiter beteiligt waren, sind
inzwischen bereits 14 ehrenamtliche Personen aus völlig
unterschiedlichen Metiers, so beispielsweise Lehrer, Therapeuten und
Ärzte, vertreten. Sie werden in den nächsten Ausgaben Tipps zu
Erziehung, Gesundheit und Förderung von Kindern geben. Auch die
Autoren des Verlages unterstützen freiwillig die Produktion. Die
Schirmherrschaft übernimmt Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen.
Zahlreiche Gewinnspiele regen die kleinen Leser zum Mitmachen an,
immerhin warten tolle Preise, die unter anderem von Viersener
Geschäften gespendet wurden.

Besonders am Beispiel des bis Oktober ausgeschriebenen Malwettbewerbs
unter dem Motto „Male, was dich glücklich macht“ lässt sich die
positive Aufnahme der Zeitschrift ablesen: Obwohl nur etwa 50
deutsche Zeitschriften auf die „Wir Kinder“ aufmerksam gemacht
wurden, sendeten bald auch Leser aus der Schweiz und aus Österreich
ihre Gemälde ein. Sie hatten von Partnerschulen und -Kindergärten von
der Aktion erfahren und erwarten nun gespannt die zweite Ausgabe der
Zeitschrift. Bis dahin sind einige Spiele und Rätsel im Internet auf www.wir-kinder.de zu finden. Iris Katers Initiativen zeigen: Gemeinsam lässt sich
einiges erreichen. „Schneeballverfahren“ nennt die Autorin das.
Ziemlich bildhafte Beschreibung. Aber so gehört sich das wohl für
eine richtige Kinderbuchautorin.