Dr. Jürgen Vieten
LÄNDER, LEUTE, PERSPEKTIVEN
Zukunft inbegriffen ・ Teil II

„Der Mensch ist nicht für die Globalisierung da, sondern die Globalisierung für den Menschen.“

Seine Neugier und sein Reisefieber führten Jürgen Vieten bisher in 50 Länder, mit denen er sich teilweise intensiv auseinandersetzte. Nachdem er uns im ersten Buch „Zukunft inbegriffen“ bereits über zehn Länder berichtete, setzt er sich in diesem Buch mit weiteren acht auseinander (Brasilien, Niederlande, Kuba, Russland, Spanien, Österreich, Indien, Südafrika).

Gemeinsam ist allen diesen Ländern, dass sie Vieten besonders faszinieren. In einer ungewöhnlichen Mischung aus Erlebnissen, Psychologie, Politik, Gesellschaft inkl. Promi-Kontakten, Geschichte, Kultur, Sport, Essen und Trinken, Wirtschaft, gewürzt mit persönlichen Kontakten und Selbstironie, analysiert er Stärken und Schwächen, legt das Land sozusagen auf seine „Couch“. Dabei werden wir weder belehrt noch durch Superlative manipuliert. Jürgen Vieten lässt uns Raum, eigene Erfahrungen zu vergleichen und zu integrieren.

12,90 Euro
192 Seiten
Taschenbuch
ISBN 978-3-944514-24-6
Iris Kater Literaturverlag

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Leseprobe


Nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten 2016 schießen die Spekulationen ins Kraut.
Manche phantasieren gar sensationshungrig „Wir sehen in ein neues Zeitalter“ (1).
Wie wird wohl das zukünftige Verhältnis zwischen Russland und den USA?
Ist Trump durch kompromittierendes Material aus Russland erpressbar?
Wahrscheinlich wird es einen Prozess der Annäherung geben, der bereits durch Kommentare und die Wahl bestimmter Regierungsmitglieder eingeleitet wurde.
Fraglich, ob Russlands aktueller Präsident Putin damit umgehen können wird. Bisher scheint beim ihm alles auf „Sieg“ gebürstet.

Putin - Medienstar! Putin auf allen Kanälen, auf YouTube, bei Twitter, Putin an jedem Stammtisch, Putin laut dem US-Magazin „Forbes“ „mächtigster Mann der Welt 2016“ (2), jeweils Zweiter 2014 und 2015 (3), 2016 Cyber-Angriffe auf Putin (4),
… Staatsdoping unter Putin (5, 6, V110)
… Prozesse gegen und sogar Morde an seinen Gegnern (7, 8)
… völkerrechtswidrige Annexion der Krim
… Putin und kein Ende (V10, V11, V12, V13)

Kann man über Russland schreiben, ohne an Putin hängen zu bleiben?
Ich denke, man kann, man muss! Andernfalls wäre ein solches Kapitel ja bereits mit dem Ableben oder Rücktritt des Schurkenhelden wertlos.
Zunächst: Moskau besuchte ich 2007 und St. Petersburg 2012, zusammen mit meinem Sohn Stefan. Wir haben in kurzer Zeit viel gesehen, uns viel unterhalten. Russland bzw. die Sowjetunion und deutsch/russische Geschichte kamen in der Schule und auch später viel zu kurz, was sicher vor allem am „Kalten Krieg“ lag.
In Wahrheit verbindet uns im Positiven wie im Negativen viel mehr mit dem größten Land der Welt, als viele wahrhaben wollen!
Putin warb schon früh für eine enge Verbindung unserer Staaten, und zwar in Deutsch, offiziell vor unserem Parlament (V14) und damit vor der Weltöffentlichkeit!
Er begründete dies vor allem historisch und kulturell, erst in zweiter Linie wirtschaftlich. Bei uns verstand man aber wieder nur „Wirtschaft, Wirtschaft“.
Seit seinem Politikschwenk im Zusammenhang mit dem Kampf um Einfluss auf die Ukraine hat er diese Bevorzugung Deutschlands zumindest öffentlich aufgegeben.
Die sowjetische Herrschaft über die DDR, die sog. „deutsche Teilung“ (1949-1989) und deren Überwindung habe ich sehr bewusst wahrgenommen.
Mehrfach besuchten wir Ost-Berlin und „genossen“ die Aufmerksamkeit der Grenzsoldaten und der Stasi.
Die Kontrollen, die stundenlangen Staus, die radikal überwachten Geschwindigkeitsgrenzen an der „innerdeutschen Grenze“ (15) und zwischen dieser und West-Berlin bereiteten uns anfangs Ängste, später dann ein leicht perverses Vergnügen. Besonders amüsant war, wenn die Trabi-Fahrer uns mit starren Blick überholten. Sie mussten die Polizei nicht fürchten, ihr Geld war ja eh nichts wert.
Einmal fanden sie den „Playboy“!
Augenblicklich strömten weitere sympathische junge Klassenkämpfer herbei, klappten johlend das „Playmate des Monats“ auf und konfiszierten den „Drägg“, verwarnten uns grimmigen Blickes. Danach verschwanden sie, wieder johlend, mit dem „Drägg“ in ihrem schäbigen Grenzhäuschen. Das Modell war aber auch zu schön.
Ein anderes Mal hatte Dieter das Buch „Null Bock auf DDR-Jugend in der DDR“ im Kofferraum vergessen!
Wir schwitzten Blut und Wasser, bis wir einfach durchgewunken wurden.
Ein drittes Mal nahmen sie uns alle Kassetten ab.
„Nu, hoat man Eüch mid däm Düsenfliescher durch die Kindohrstube geschossen?“, fragten sie uns in herrlichen Sächsisch. „Ior hoabt zohrsetserische Musig of`m Donträcher, här domid.“Recherchiert man über Russland, so befindet man sich rasch in einem Strudel aus Interessen, Wissen und Halbwissen, Verschwörungstheorien, bewusste Desinformationen durch „Trolle“ und „Web-Brigaden“ (16, V17), Sektierertum, Misstrauen und Paranoia.
Die Quellenlage ist oft undurchsichtig.
Diskutiert wird auch wieder einmal über die „russische Seele“ (18, 19), die seit 200 Jahren immer dann herhalten muss, wenn der Berichterstatter seine Ratlosigkeit vertuschen will.
Ein Artikel z. B., der auf den ersten Blick viel Richtiges enthält, entpuppt sich schnell als Produkt psychologischer Sektierer, sogar die Scientology-Kirche erscheint im Hintergrund (20).
Inzwischen arbeiten mächtige regierungsnahe Netzwerke mit nationalistischem Hintergrund sogar offen mit der AFD zusammen (V21).
Daher versuche ich einen wertfreien Zugang, mehr über Geschichte und Geschichten.
Dort, wo ich doch werte oder emotional bin, mache ich dies deutlich. Die Lektüre soll informativ und unterhaltsam sein, im besten Falle fesselnd und lustig, keinesfalls manipulativ, paranoid und interessengesteuert.

Rückblende:
An einem sonnigen klaren Wintertag 1979 besuchen Dieter, Christa und ich während unseres ersten Berlinbesuches den Reichstag.
Damals hatte er noch keine gläserne Kuppel, sondern rottete grau verkohlt vor sich hin. Die Umgebung war trist, staubig, Niemandsland.
Wir waren aufgeregt, denn wir wussten:
Dahinter, da wartet sie auf uns, die „Mauer“!
Wir hatten viel über sie und die „Ostpolitik“ diskutiert, uns mit unbelehrbaren Lehrern über die Anerkennung der „Oder/Neiße-Linie“ gestritten und mit deutscher Schuld auseinandergesetzt.
Gerade war ich in die SPD eingetreten.
Selbst Dieter, seit frühester Jugend „CDUler“ und wortgewaltiger privater politischer Antagonist, entfremdete sich in dieser Zeit seiner Partei. Diese hatte Franz-Josef Strauß zum Kanzlerkandidaten gemacht, gegen Helmut Schmidt, wir waren alle fassungslos.
Während die Jugend gegen den NATO-Doppelbeschluss (22) kämpfte und sich dabei zu den größten Demonstrationen deutscher Geschichte (23) zusammenschloss, wehrten sich die Konservativen mit Händen und Füßen, blieben in der Vergangenheit verhaftet.
Ich wohnte in Bonn, 400 m vom Kanzleramt entfernt. Das war dermaßen mittendrin, dass ich sogar Demonstranten, die die Bannmeile zum Bundeskanzleramt durchbrochen hatten, vor der Garage die Augen spülte. Die Wasserkanonen enthielten doch Chemikalien, obwohl die Polizei das damals heftig dementierte (24)!).
Dass die beiden Helmuts (Schmidt und Kohl) bzgl. des NATO-Doppelbeschluss Recht behalten sollten, ahnten wir in friedensbewegter Zeit noch nicht. Wir riefen voller Lust „Petting statt Pershing“ und sangen mit Josef Beuys „Sonne statt Reagan“ (25).
Rückblickend irrten wir zwar bzgl. der Wirksamkeit von Abschreckungspolitik, manifestierten aber für unsere riesige, geburtenstarke Generation Friedenswillen, Überwindung des „Kalte-Krieg-Denkens“, Gewaltverzicht, Menschenliebe statt Misstrauen und Paranoia, bahnten psychologisch den Weg für weitere Entspannungsmaßnahmen.
Schon bin ich abgeschweift. Das scheint typisch, wenn man sich mit Russland beschäftigt. Alle schweifen ab, der Gegenstand ist so vielschichtig.
Wieder zurück zum Reichstag, zurück zur Mauer:
Also, wir gingen um den Reichstag herum, und da stand sie!
Groß, für Personen unüberwindbar, Beton, Stacheldraht, ringsherum schmutzige, ungestaltete Erde. Im Hintergrund ein Wachturm, auf dem ein Volkspolizist gerade sein lächerliches Fernglas auf uns richtete.
Es war ein Alptraum, eine klaffende steingewordene Wunde. Keine Theorie, keine noch so verquickte Diskussion über den „antifaschistischen Schutzwall“, geführt mit den albern bürgerlichen westdeutschen Kommunisten, kann den sinnlichen Eindruck widerspiegeln.
Hier und Jetzt! Gegenwart! Unfreiheit! Unterdrückung! Ohnmacht! Wut! Widerstand!
Meine Hirnzellen funkten, mein Herz brannte.
Flashbacks aus Fernsehbildern, vom Aufstand 1953 in Ostdeutschland, Menschen gegen Panzer (26), Bilder 1956 „ungarischer Volksaufstand“, Menschen gegen Panzer (27), 1967, „Prager Frühling“, Menschen gegen Panzer (28) …
Innerhalb der nächsten Stunden, in denen wir die Erfahrung verarbeiten müssen, geht mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf:
„Das kann nicht so bleiben, das wird so nicht bleiben, diese Schandmauer stellt sich gegen den Lauf der Geschichte“.

PRESSESTIMMEN


Viersen-inside.de

Mit Länder, Leute, Perspektiven legt der Mönchengladbacher Autor Dr. Jürgen Vieten sein zweites Werk vor und nimmt den Leser mit auf eine ganz besondere, hochaktuelle Reise.
„Länder, Leute, Perspektiven“ nimmt mit auf eine Reise